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Oft habe ich mir die Frage gestellt, inwieweit wirklich Menschsein noch erwünscht ist? Liegt es an unserer Gesellschaft, dass man immer das Gefühl hat, es werden eigentlich nur gut funktionierende und angepaßte Menschen gebraucht. Alles was darüber hinaus geht, ist schwierig und anstrengend. Die Menschen, die vielleicht Fragen stellen und auch versuchen zu hinterfragen - spreche hier aus eigener Erfahrung - werden erst einmal mit niederschmetternden Argumenten kleingeredet. Eine Meinung zu haben und zu ihr zu stehen ist nicht wirklich mehr gefragt, genauso wenig zuzuhören. Warum sollen wir nur auf der Oberfläche schwimmen, wenn es auch darunter oder ein Stück weiter oben, auch vieles Schöne gibt? Die Mitte kann beruhigen, aber ist sie das, was uns auf Dauer glücklich macht? Mich macht es immer wieder glücklich, wenn ich Menschen erlebe, die für eine Sache wirklich leben, Leidenschaft zeigen und diese Sache auch mit hundertprozentiger Überzeugung tun. Es muss nicht immer das ganz Große sein, es geht vielmehr um das, wie sie es tun, was sie für sich als wichtig erachten, dafür einzustehen und daraus ihre Freunde zu ziehen. Es ist so wohltuend auf solche Menschen zu stossen, weil sie einem enorm viel Kraft mit auf dem Weg geben und man erkennt, dass es nicht das ganz Große sein muss, um glücklich zu sein. Das hat für mich viel mit Mensch sein zu tun. Diese Menschen kann man erkennen, haben eine Identität, haben Ausstrahlung, sind unverblümt und sind einfach nur sie selber. Wieso gibt es sowenig von dieser Art Mensch? Menschen wollen was darstellen, tun als ob, geben vor toll und großartig zu sein, halten dicke Reden, sind streitsüchtig und suchen überall, nur nicht bei sich. Das Leben soll ja schließlich einfach und schön sein - also dann die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, ein kleines Häuschen, das entsprechende Auto dazu und viele Kinder, fertig ist das Glück! Und was passiert in diesem Haus? Es ist nicht meine Antwort auf die Frage nach dem Glück bzw. Glücklichsein. Ich brauche das Glück ganz tief in mir drin, und das bekomme ich nicht, wenn ich an der Oberfläche schwimme, dafür muss ich auch ab und zu abtauchen, um auch Dinge zu entdecken, die ich sonst nicht zu Gesicht bekommen würde. Ich halte es für ein Wunder, wenn andere Menschen uns ihre Tiefen zeigen und auch wir unsere Tiefen zeigen dürfen - ich sehe es als ein wirkliches Geschenk an! Es ist ein Geschenk, was wir ohne Grund und Anlaß erhalten und es kostet keine Cent. Genau dann geht es nicht mehr darum, was ein Mensch besitzt, welchen Status er in unserer Gesellschaft hat, dann geht es nur um den Menschen an sich - der so genommen wird wie er ist, groß, dick, lachend, weinend, liebend, kritisch, stark, schwach...!
Wir alle sind keine Perfektionisten und die Menschen wollen glaube ich, alle auch nur das Selbe, sie wollen alle geliebt und gemocht werden. Warum tun wir es dann nicht einfach und sagen nicht mal ein paar nette Worte, und wenn es der "schwierige" Nachbar ist, der immer nervt...! Warum sind wir immer auf der Suche nach den Fehlern bei unseren Mitmenschen, warum erkennen wir nicht das Gute, das dieser Mensch hat. Ich bin davon überzugt, dass jeder Mensch irgendeine gute Seite an sich bzw. in sich hat! Warum verstecken wir unsere schönen Seiten und sind mit uns selbst so überkritisch - weil wir glauben in ein Schema passen zu müssen, weil man uns sonst nicht mögen würde! Warum stehen wir nicht zu uns selbst, und versuchen uns so zu nehmen, wie wir eben sind. Ist es nicht zudem anstrengend, immer aufpassen zu müssen, das man bestimmte Seite von uns nicht entdeckt...!
Auch ich habe versucht, durch eine gewisse Angepaßtheit in meinem Leben vorwärts zu kommen, es ist leider schiefgegangen, man ist Mitläufer, wird nicht wirklich gesehen und das schlimmste für mich war, dass ich innerlich immer das Gefühl hatte, mir wird unrecht getan! Ich hatte keine Chance, weil ich nicht mein wahres Gesicht gezeigt habe. Habe versucht die "gute" zu spielen. Es konnte einfach nur schiefgehen!
Es war bei mir vielleicht im Alter von 18 Jahren, wo ich gesagt habe, hier bin ich und ich habe ein Recht auf eine eigene Meinung und auf ein Recht, dass meine Gefühle ernst genommen werden. Es war ein langer Weg, aber für mich hat er sich gelohnt. Ich habe es geschafft, mein eignes ICH zu entwickeln, bin dadurch angreifbar und verletztbar geworden, aber ich bleibe immer ganz gut in der Bahn, weil ich mich kennengelernt habe, kenne meine Stärken und Schwächen, die ich beide mag, sonst wäre ich nicht, die Frau, die heute wäre - Frau mit Herz und Verstand!
Es ist sicher nicht einfach, seine Schwächen zu akzeptieren, aber welche andere Möglichkeit haben wir denn? Hinzu kommt ein Mensch ohne Schwächen erscheint in meinen Augen unglaubwürdig. Sind es nich gerade die Schwächen an uns, die uns menschlich und auch interessant machen?
Vielleicht habt Ihr ja auch ein paar Gedanken zu diesem Thema! Ich bin froh, dass ich meine Gedanken niedergeschrieben habe. Freue mich, wenn diese Seite, wieder an Leben gewinnen würde!
In diesem Sinne
Eure Suse
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