
"Meine Freundin Johanna" ist ein Wunderwerk der Sprache - es berauscht und bringt die eigenen Gefühle ans Licht!
Die Lebensgeschichte von Johanna wird aus der Sicht ihrer Freundin Ilka Scheidgen erzählt - die Lebensgeschichte einer Frau zwischen Depri- und Highzuständen, eine Geschichte die nicht abschreckt, sie weckt auf, fordert uns Menschen auf toleranter zu sein, sensibel mit unserem nächsten umzugehen und zu hinterfragen. Hier gibt es jetzt schon einmal ein paar Auszüge - dieses Buch lädt auf eine ganz besondere und persönliche einfühlsame Art ein, um sich selbst, aber auch um andere zu entdecken! Ich habe mich übrigens in einer persönlichen mail bei Ilka Scheidgen für diese Geschichte bedankt - ihre Worte sind einfach so wohltuend!
Auszüge aus der Antwort auf meine e-mail von Frau Dr. Scheidgen :-)
Ilka sagt:
Vielleicht ist der Grund weshalb ich diese Geschichte aufschreiben will, ein ähnlicher: versuchen zu verstehen, warum die Welt ist, wie sie ist. Warum der eine Mensch krank wird und der andere nicht. Es ist nicht meine Geschichte, die ich erzähle. Und ich wußte lange nicht, ob ich das Recht habe, sie zu schreiben, bis Johanna eines Tages zu mir sagte: Mach du es. Für mich.
Im Krankhaus lernt sie Dr. Kruse kennen:
Deutlich spürte sie sein Interesse an ihr. Das gab ihr allmählich ihr Selbstvertrauen zurück und machte ihr Mut. Sie würde wieder ganz gesund werden, daran konnte sie plötzlich wieder glauben. Man braucht oft sehr lange und eines besonderen Anlasses, um etwas von dem zu ahnen, was Empfinden und Kräften in unseren Tiefen verbrorgen ist. sagte Dr. Kruse zu Johanna und leitete damit ihre Heilung ein. Johanna las mit einer ganz neuen Intensität in der Lyrikanthologie, die ihr Dr. Kruse gegeben hatte. Viele Gedichte fand sie darin wieder, die ihr schon früher gefallen hatten. Jetzt bekamen sie eine neue Bedeutung, eine tiefere Dimension, zum Beispiel das Gedicht "Stilles Reifen" von Christian Morgenstern: Alles fügt sich und erfüllt sich, muss es nur erwarten können und dem Werden deines Glücks Jahr und Felder reichlich gönnen. Bist du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest. ... sie begann die Hoffnung zu nähren, dass ihr dieser Arzt, der ihr si viel Verständnis entgegenbrachte, eine stärkere Haut geben könnte!
Johanna und die Sprache:
Ist Sprache mächtig, habe ich mir überlegt. Ja und nein. Sprache kann durch Macht missbraucht werden. Aber die Sprache der Dichtung ist wahrhaftig und darum auf eine andere Art mächtig - nämlich nur für den, der sich von ihr berühren lässt. Dem schenkt sie einen Augenblick Freiheit. Denn kann sie sogar verändern.
Johanna schreibt:
Auf der Suche
Eine Fahtrrichtung finden ist schwierig. Welche Gültigkeit markieren ein aufgetriebener Stadtplan, eine rote Ampel? Verkehrter Halt ist sichj allein zu hören, Horchen mit anderen ist weitereisen. Sie stellt sich viele Fragen, die an Grenzen stoßen. Warum bin ich so schnell nervös? Warum habe ich kein "dickes Fell", wie die meisten anderen? Ist mein Ästhetizismus übertrieben? Sind unangenehme Gerüche in angenehme Gerüche umzuwandeln? Was bedeutet es: zu jemanden Vertrauen haben? Sich auf ihn verlassen? Und auf mich? Wie kann ich mehr Gleichmut und Hoffnung in mir mobilisieren? Wie entwickle ich ein stärkeres Selbstvertrauen?
Johanna und die Liebe:
Zu lieben, das hatte sich Johanna als die schönste und leichteste Sache der Welt vorgestellt. Aber allmählich dämmerte ihr, dass Liebe einem nicht wie eine reife Traube in den Schoß fällt. da musste wohl der Rebstock vorher mit Wissen und Verstand kultiviert werden, bevor der süße Wein zu kosten war.Und immer wieder stieß Johanna an Grenzen, eigene und von anderen gesetzte, wo sie sich doch nach Grenzenlosigkeit, nach einem Auflösen in einem geliebten Du sehnte. Sie wollte geborgen sein und einem anderen Geborgenheit geben. Sie war eine Suchende und sah vor sich lauter verschlossene Räume, für die ihr die Schlüssel fehlten. Ihr schien, dass sie die Schlüssel nur durch andere und in anderen Menschen finden könne. Das Leben ist herrlich, intensiv, spannend, dunkel, komisch, neu, warm und kalt, erregend und lähmend, dachte Johanna, traurig und erhebend.
Ludger:
Es gibt eine Sprache, in der Worte keine Hauptrolle spielen, dachte Johanna Eine Sprache der spielerischen Gesten, des vertrauensvollen Anlehens, des Angenommenseins, der beweglichen Ruhe und der ruhenden Bewegung. Das Lächeln, das Anschaun, das Versinken.
Brief von Ludger:
Geliebt Johanna, nun will ich doch einmal ein sichtbares Zeichen meines Denekens an dich senden. Das Wochenende mit dir war so wunderschön, eine Entspannung ganz im Kontrast zum Berufsalltag, eine Lösung, ein Sichlffnen. Danach kamen mir tausend Gedanken, die mich traurig machten. Dinge, die uns zu trennen scheinen, und der Weg zueiander schien mir lang und mühevoll, so tief in die Mitte des anderen, wie wir beide es wollen. Vielleicht sind wir beide in diesem Punkt noch zu idealistisch, zu wenig realistisch und in unserer Absicht zu total und absolut. Ich glaube, dass wir mit uns selbst und miteinander einige Geduld aufbringen müssen. Vielleicht ist ein Weg zum Ziel, wenn wir versuchen, uns das Leben interessant zu machen, ein wenig oder ganz viel zu zaubern, um zu bezaubern. Ich will gestehen, ass ich das oft genug vergesse. Bitte erinnere mich daran. Ich weiß auch, dass ich dich manchmal belaste, wenn ich dir kühl erscheine, und das bedrückt mich selber. Aber ich will dir nicht weh tun. Nur sehe ich für mich und uns noch eine Aufgabe darin, uns selbst und den anderen möglichst genau kennen zu lernen, die Notwendigkeiten des anderen zu ergründen. Ich will dich nicht in ein Bild pressen, das nicht zu dir paßt. Du sollst nichts anderes und werden als du selbst. Nur dann ist dein innerer Kreisel im Gleichgewicht und verliert die Balance nicht. Du sollst keine Rolle spielen. Aber muss ich dir nicht auch zeigen, was ich als Ergänzung meiner selbst brauche, um ganz ich selbst zu sein? Würde es sich nicht eines Tages rächen, wenn ich jetzt eine Rolle spielte? Du siehst mich falsch, wenn du, wie du mir einmal schriebst, glaubst, dass ich eine Frau haben wolle, um damit nach außen zu glänzen. Es geht mir ausschließlich, um die innere Übereinstimmung, den Gleichklang des Fühlens und der Ratio. Wir müssen erforschen, ob die Andersartigkeit nicht zu einer erdrückenden Last wird, sondern zu einer fruchtbaren Spannung zwischen uns führen kann. - Verzeih diesen Brief, der nicht sehr erheiternd geworden ist, aber ehrlich! Liebe Grüße von deinem Ludger
Seltsamerweise machte dieser Brief Johanna weniger traurig als zuversichtlich.
Johanna und die Rückenschmerzen:
Zudem plagten sie vom vielen Stehen in der Buchhandlung starke Rückenschmerzen. Aber vielleicht waren auch die Ausdruck dafür, dass ihr zu viel aufgebürdet wurde, das sie dabei war, unter der Last zusammenzubrechen. Sie konnte sich hundertmal gut zureden, wie es auch andere taten, dass sie sich nicht zusehr aufregen dürfte. Es half nicht. Und dann hatte sie das große Glück, dass sie durch Zufall an eine Ärztin geriet, zu der sie wegen der Rückenschmerzen ging, die auch Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen hatte. Frau Dr. Seifert war ihr sofort symphatisch, sie spürte deren Einfühlungsvermögen und so berichtete sie ihr von ihren Problemem. Frau Dr. Seifert erkannte sofort den psychosomatischen Zusammenhang...
Schlusswort:
Wir alle sind Facetten eines Ganzen, denkt Johanna, und deshalb können wir immer nur Ausschnitte sehen, Eigentlich braucht es gar nicht viel zum Leben, nur die Luft, die Sonne und die Liebe. Johanna steht vor mir. Sie sagt. Du bist der rote Faden in meinem Leben. Warum willst du diese Geschichte erzählen, haben sie mich gefragt. Ich konnte darauf keine befriedigende Antwort geben. Nun habe ich sie fertig geschrieben und habe mich die ganze Zeit über kein einziges Mal nach diesem Warum gefragt. Ich glaube, es gibt keine falschere Frage als die nach dem Warum, weil es darauf keine Antwort geben kann. Dieser Roman ist die Antwort selbst. Das Leben ist Antwort selbst.
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!